Lawinen-Alarmsystem Rigopiano, Italien

Ausgangslage

Am Nachmittag des 18. Januars 2017 hat sich eine Lawine im Gran-Sasso-Massiv bei Rigopiano, Provinz Pescara in der italienischen Region Abruzzen ereignet. Die Lawine hat das Hotel Rigopiano getroffen und 40 Personen verschüttet. Kurz darauf waren die Rettungskräfte vor Ort und haben mit der Suche nach den Vermissten begonnen. Die schwierigen Wetterbedingungen mit Schneefall, zeitweise Regen und dichtem Nebel erschwerten die Arbeiten. Wegen dem schlechten Wetter konnte das Anrissgebiet nicht eingesehen werden und die Rettungskräfte fürchteten Nachlawinen. Im Auftrag des italienischen Zivilschutzes meldete sich das Team von Prof. Nicola Casagli von der Universität Florenz am Freitagmorgen, 20. Januar, bei Geopraevent. Gefragt war ein Lawinen-Alarmsystem, welches die Rettungskräfte bei Folgelawinen vor Ort sofort alarmiert.

 

Lösung

28 Stunden nach dem Anruf war Geopraevent vor Ort. Mittels eines digitalen Höhenmodells hat das Team in der Schweiz mögliche Radarposition mit Sicht ins Anrissgebiet ermittelt. Die Koordinaten wurden an die beiden Geopraevent Mitarbeiter vor Ort übermittelt. Damit konnten diese den definierten Radarstandort im dichten Nebel finden. Lawinenradar, Webcam und Alarmsirene sowie die Stromversorgung mit einer Brennstoffzelle wurden am Samstagabend 150m oberhalb des Hotels Rigopiano installiert.

Das Radar überwachte das Lawinenanrissgebiet in einer Distanz von 1400 bis 1900m. Im Falle einer Lawine hätte das Radar diese erkannt und mit einer Sirene innerhalb weniger Sekunden Alarm geschlagen. Um sicherzustellen, dass der Alarmprozess einwandfrei funktioniert, wurde täglich ein Testalarm durchgeführt und die Evakuation der 150 Rettungskräfte geübt. Die Evakuation musste in weniger als einer Minute erfolgen. Dies war die Zeit, welche eine grosse Lawine gemäss vorläufigen Simulationen des SLF Davos vom Anrissgebiet bis zum Hotel benötigt.

Das Lawinen-Alarmsystem wurde von der Rettungszentrale in Penne durch das Team von Prof. Casagli und zwei Geopraevent Experten permanent überwacht. Bei einem Systemausfall oder einem Alarm wäre das Team automatisch durch SMS informiert worden und hätte sofort reagieren können.

Nach Abschluss der Rettungsarbeiten wurde das Alarmsystem am 28. Januar 2017 wieder abgebaut und zurück in die Schweiz transportiert. Beim Lawinenunglück in Rigopiano sind 29 Personen verstorben, 11 haben überlebt. Mehr als 1000 Personen waren an der 10-tägigen Rettungsaktion beteiligt.

Weitere Informationen

Standort

Lawinenradar Rigopiano

Geopraevent Lawinenradar in Rigopiano, Italien.

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