Felssturz über der Gotthardbahnlinie in Gurtnellen, 5. Juni 2012

Am Morgen des 5. Juni 2012 kam es oberhalb der SBB-Gotthardstrecke in der Nähe von Gurtnellen zu einem unerwarteten, grossen Felssturz mit einem Volumen von ca. 3000 m3. Schon drei Monate zuvor war es in einem anderen Teil der Felswand zu einem kleineren Felssturzereignis von etwas zehnmal kleinerem Ausmass gekommen. Die SBB-Bahnlinie wurde ebenfalls verschüttet und sollte fast einen Monat lang gesperrt bleiben.

 


Blick auf das vom Felssturz betroffene Gebiet nach der Sicherheitssprengung.

Wir waren gegen Mittag des 5. Juni zusammen mit Geologen der SBB und der GEOTEST AG vor Ort für eine Einschätzung der Lage. Das Georadar, welches sich noch in Preonzobefand, wurde sofort nach Gurtnellen gebracht. Dank der einfachen Installation und dem autonomen Betrieb ohne Stromanschluss waren wir abends um 20 Uhr messbereit. Damit war nach wenigen Stunden eine erste Einschätzung möglich, ob bald noch weitere Felsstürze zu erwarten waren. Bis zur ersten Auswertung um Mitternacht zeigte sich die Wand ruhig. Während den folgenden, drei Tage dauernden Bergungsarbeiten waren wir permanent mit einem Radarfachmann vor Ort, der die Radardaten interpretierte und bei Bewegungen in der Wand die Arbeiten im Gefahrenbereich hätte stoppen können. Am dritten Tag setzten starke Niederschläge ein, welche in der Schutthalde zu Bewegungen und teilweise zu kleineren Steinschlagereignissen führten. Auch wenn das Radar solche Bewegungen im losen Schutt nicht exakt quantifizieren kann, so war doch hilfreich zu sehen, an welchen Stellen die Schutthalde aktiv war und worauf die anwesenden Beobachter ihre Aufmerksamkeit richten sollten.


Deformationen der letzten drei Stunden (in Millimetern) projiziert auf das digitale Höhenmodell vom Felssturzgebiet. Mit dem Georadar sind kleinste Felsbewegungen mit grosser räumlicher Auflösung erkennbar. Kleine rote Flecken sind meist auf Vegetation oder Bewegungen im losen Schutt zurückzuführen. Grossflächige Bewegungen sind keine erkennbar. Ein solches Live-Bild wurde alle 5min automatisch auf dem Internetportal zur Verfügung gestellt.

Nach der Bergung konnte mit den Sicherungsarbeiten begonnen werden. Der potentiell instabile Teil der Felswand wurde gesprengt, danach wurde die Schutthalde geräumt und gesichert. In dieser Zeit wurden mehrere unabhängige Überwachungssysteme installiert:

  • Sechs 3fach Extensometer in Bohrungen bis 40m Tiefe
  • Über zehn Telejointmeter zur Beobachtung diverser Einzelblöcke und Klüfte
  • Reissleinen am provisorischen Steinschlag-Schutznetz mit automatischer Alarmierung lokal (Alarmsirenen/Blitzlichter) und direkter Verbindung zum Stellwerk SBB (Sperrung Bahnlinie)
  • Über 50 geodätische Messpunkte (Spiegel), welche alle 15 Minuten gemessen werden (Betrieb dieser Station durch die Flotron AG, Datenpublikation auf unserem Messportal)
  • Periodische Messungen mit dem Georadar.

Bei Überschreitung von vordefinierten Grenzwerten werden lokal Alarmsirenen zur Räumung der Baustelle aktiviert und gleichzeitig automatisch die zuständigen Geologen der GEOTEST AG per SMS alarmiert, welche dann nach Konsultation der Live-Daten im Messportal über weitere Massnahmen befinden. Am 2. Juli 2012 konnte der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Überwachung wird aber noch längere Zeit weiter betrieben werden.


Das provisorische Schutznetz wurde mit einer Reissleine ausgestattet, welche bei Auslösung automatisch die Baustelle evakuiert und den Zugsbetrieb stoppt.

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