Überwachung Kleines Nesthorn, Lötschental
Situation
Vor einem Jahr, am 28. Mai 2025, führte eine Reihe von Prozessen zur Verschüttung des Dorfes Blatten im Lötschental (Kanton Wallis, Schweiz). Ausgangspunkt des Ereignisses war der Abbruch eines Teils des Kleinen Nesthorns, der auf den Birchgletscher stürzte. In der Folge kollabierte der Gletscher unter dem Druck des abgelagerten Materials sowie zunehmendem Schmelzwasser an seiner Basis. Dies führte zu einer Fels-Eis-Lawine, die bis ins Tal vordrang und einen Grossteil des Dorfes Blatten verschüttete.
Da das Dorf bereits am 19. Mai 2025 evakuiert worden war, gab es glücklicherweise nur ein Todesopfer. Dennoch wurde der Ort weitgehend zerstört, 130 Häuser wurden verschüttet und weitere später durch das Aufstauen der Lonza überflutet.
Die frühzeitige Evakuierung war möglich, da sich das Ereignis durch fortschreitende Vorzeichen ankündigte. Diese wurden durch ein Zusammenspiel verschiedener Monitoring-Systeme erkannt und überwacht, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Blick ins Lötschental (Blatten) nach dem Bergsturz vom 28. Mai 2025.
Lösung
Das eingesetzte interferometrische Radar, mit energieautarker Stromversorgung und satellitengestützter Datenübertragung. Im Hintergrund ist noch der untere Teil des Birchgletscher sichtbar.
Die vom interferometrischen Radar gemessene Verschiebungsgeschwindigkeit.
Der Betrieb des Radars stellte insbesondere hinsichtlich der Datenübertragung eine Herausforderung dar, da die starke Medienpräsenz im Tal die verfügbare Bandbreite einschränkte, während täglich etwa 1 GB Daten zur Analyse in die Cloud hochgeladen werden mussten. Der lokale Anbieter richtete daraufhin einen priorisierten Zugang für dieses System ein, wodurch das Problem gelöst werden konnte. Zusätzlich wurde eine Breitband-Satellitenverbindung als Backup installiert. Die gewonnenen Daten halfen den Behörden und Experten dabei, die Situation im weiteren Verlauf zu überwachen, zu bewerten und zu steuern. Durch die Analyse von Phasenänderungen des reflektierten Signals zwischen wiederholten Messungen konnten kleinste Bewegungen im überwachten Gebiet erkannt werden, und zwar unabhängig von Regen, Schnee, Nebel oder Dunkelheit, auf Distanzen von bis zu 4 km und bei einer maximal überwachten Fläche von bis zu 5 km².
PROCam System auf einer Moräne östlich des Birchgletschers, einen Tag vor dem Abbruch des Gletschers.
Der Bus von GEOPREVENT konnte während der Installation der Kamera wegen der Evakuierung von Blatten nicht mehr aus der Gefahrenzone gefahren werden. Deshalb wurde er auf der gegenüberliegenden Hangseite abgestellt. Durch die Druckwelle des Ereignisses wurden die Scheiben teilweise zerstört.
Zur Unterstützung der langfristigen Wiederherstellungsmassnahmen wurde die Installation von einem kurzfristigen Noteinsatz zu einem mittel- bis langfristigen Monitoringprojekt weiterentwickelt. Dies stellte zusätzliche Sicherheit bei der Beseitigung von Schutt sowie bei den Bauarbeiten in Blatten sicher. Zur weiteren Unterstützung dieser Phase installierte GEOPREVENT zusätzliche Kameras und GPS-Systeme, um weiterführende Erkenntnisse über die Stabilität und das Deformationspotenzial in der Umgebung des Kleinen Nesthorns zu gewinnen.
Übersichtsgrafik der installierten Systeme von GEOPREVENT.
Kunde
Gemeinde Blatten