Steinschlagradar Brienz

Ausgangslage

Das Bündner Dorf Brienz/Brinzauls liegt auf einer Sonnenterrasse im Albulatal inmitten eines grossen Rutschgebietes. Seit längerem rutscht der gesamte Hang mitsamt Dorf langsam talwärts, in den letzten Jahren hat sich die Rutschgeschwindigkeit jedoch deutlich erhöht. Bis zu 70 cm bewegt sich der Boden derzeit pro Jahr, was sich durch Risse in Häusern und Strassen bemerkbar macht. Nördlich des Dörfes befindet sich ein Bergsturzgebiet, das mit der Rutschung gekoppelt ist. Regelmässig lösen sich dort Felsbrocken, die trotz mehreren Schutzwällen gelegentlich die Hauptstrasse ausserhalb des Dorfes erreichen. Das Dorf selbst ist von diesen Steinschlag- und Felssturzereignissen nicht direkt gefährdet.

 

Lösung

Das Steinschlagradar erkennt abstürzende Felsbrocken in Echtzeit und wird zur automatischen Sperrung von gefährdeten Transportwegen eingesetzt. Da das Bergsturzgebiet auslaufend ist, dauert es in Brienz je nach Blockgrösse und Sturzbahn zwischen 30 bis 60 Sekunden, bis ein Steinschlag die Strasse erreicht. Diese Vorwarnzeit genügt, um die Strasse rechtzeitig zu sperren.  Das Steinschlagradar funktioniert unabhängig von den herrschenden Sichtverhältnissen, bei Nebel oder Schnee sowie Tag und Nacht. Vom alten Schulhaus Brienz aus überwacht das Steinschlagradar permanent das Bergsturzgebiet in einer Distanz von ca. 1 km. Bei einer Detektion schlägt es sofort Alarm und schaltet die Ampeln automatisch auf rot. Sollte sich ein Fahrzeug bereits innerhalb des gesperrten Bereiches befinden, so bleibt bei normaler Weiterfahrt genügend Zeit, aus dem Gefahrenbereich zu gelangen. 

Das Bergsturzgebiet hinter dem Dorf mit der gefährdeten Hauptstrasse im Hintergrund. 

 

Hat das Radar Steinschlag detektiert, verfolgt es den Lauf der Felsbrocken bis diese zum Stillstand kommen oder sich aus dem Sichtbereich des Radars bewegen. Zusätzlich aktiviert das Steinschlagradar die systemintegrierte Webcam, welche automatisch Aufnahmen des Ereignisses macht. Sämtliche Daten zu den Ereignissen sind über das Online Datenportal jederzeit über PC, Tablet oder Smartphone abrufbar. Das Steinschlagereignis wird auf einer Karte dargestellt und mit den entsprechenden Ereignisbildern und Kennzahlen (wie z.B. Dauer und Geschwindigkeit) ergänzt. Zusätzlich bietet die Kamera jederzeit Einsicht in das Gebiet und kann dank ferngesteuerter Zoom-, Schwenk- und Neigefunktion bei guten Sichtbedingungen zur detaillierten Ereignisanalyse benutzt werden.

Detektierter Steinschlag aufgenommen von der integrierten Kamera. 

Nach einer längeren Testphase ging die automatische Sperrung des gefährdeten Strassenabschnitts im Gefahrenbereich Mitte Dezember 2018 in Betrieb. Zudem besteht eine operative Verbindung zwischen Alarmsystem und der Betriebsleitzentrale des Tiefbauaamtes Graubünden (BLZ TBA GR). Seit der Installation des Steinschlagradars wurden im überwachten Gebiet über 1000 Ereignisse unterschiedlichster Grössen detektiert, wobei nur einige wenige die Strasse erreichten oder sogar überquerten.  Um unnötige Sperrungen zu vermeiden, wurde ein Risikobereich im Bergsturzgebiet definiert. Steinschläge ausserhalb dieses Bereichs lösen keine automatische Sperrung aus. Ebenso wurde eine automatische Wiedereröffnung der Strasse implementiert. Sobald die Gefahr vorüber ist, wird die Strasse wieder automatisch geöffnet. 

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Standort

Kunde

Tiefbauamt
Kanton Graubünden

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