Lawinenradar Belalp

Ausgangslage

Die Gratlawine auf der Belalp VS hat ein 4 km breites, flächiges Anrissgebiet mit einer Höhendifferenz zwischen Anriss- und Ablagerungsgebiet von bis zu 1600 m. Die berüchtigte Lawine kann deshalb extreme Ausmasse annehmen und die Kantonsstrasse und einzelne Gebäude gefährden. Im Lawinenwinter 1999 zerstörte die Gratlawine 30 Gebäude und verschüttete die Kantonsstrasse über 10 Meter hoch (P. Schwitter & L. Stoffel, ISSW 2009). Nur dank rechtzeitiger, grossräumiger Evakuierungen kamen keine Personen zu Schaden. Seither wurde der Lawinenschutz auf der Belalp massiv verstärkt und stets verbessert. Nach mehreren Versuchen, das Anrissgebiet zu verbauen und dadurch eine Grosslawine zu verhindern, setzt der lokale Lawinenwarndienst nun vor allem auf das künstliche Auslösen von Lawinen. Mit gezielten Sprengungen aus dem Helikopter wurden gute Resultate erzielt – aber nur bei Flugwetter. Um auch während einer mehrtägigen Schlechtwetterphase kontrolliert auslösen zu können, wurden mehrere fixe Gazex-Anlagen installiert. Damit kann der Sicherheitsdienst nun die Gratlawine aus der Ferne und bei jedem Wetter auslösen. Aber wie verifiziert man die Lawinenaktivität bei Nebel, Schneefall oder im Dunkeln?

 

Lösung

Auf die Wintersaison 2018/19 installierten wir auf der Belalp eine automatische Überwachungsanlage mit einem Lawinen- und einem Personenradar. Das Lawinenradar überwacht das gesamte Anrissgebiet (rot eingefärt) der Gratlawine in bis zu 3.5 km Distanz und erkennt spontane sowie künstlich ausgelöste Lawinen bei allen Sichtverhältnissen. Radar funktioniert bei Tag und Nacht, Nebel, Sturm oder Schneefall! Dabei detektiert das Lawinenradar sich bewegende Schneemassen und verfolgt diese bis zum Stillstand oder bis sie den Sichtbereich des Radars verlassen.

Das seit Dezember 2018 rund um die Uhr von einem Lawinenradar überwachte Gebiet ist rot gefärbt. 

Zudem erfasst das Radar die Dauer, Geschwindigkeit und Grösse der Lawine und die systemintegrierte Kamera zeichnet automatisch Bilder oder ein Video des Ereignisses auf. Das Überwachungssystem benachrichtigt bei einer Detektion sofort die zuständigen Personen und übermittelt sämtliche Daten an das Geopraevent online Datenportal. Dort werden die Lawinen auf einer Karte eingezeichnet und die Ereignisbilder mit den charakteristischen Messwerten angezeigt. Autorisierte Benutzer können jederzeit über Smartphone, Tablet oder PC auf die Informationen zugreifen, vom Büro oder der Skipiste.

Visualisierung im online Datenportal: links die Liste der Ereignisse im oben ausgewählten Zeitraum. Die Messungen des Lawinenradars werden auf der Karte angezeigt, Ereignisbilder oben rechts.

Der Sicherheitsdienst auf der Belalp kann dadurch nun bei allen Sichtverhältnissen sofort verifizieren, ob die künstliche Auslösung erfolgreich war, wo die Lawine genau abgegangen ist und wie gross sie ungefähr war. So können nun Sicherheitsaktionen auch zu Randzeiten (z.B. früh morgens) ausgeführt werden, wenn allfällige kurze, präventive Strassensperrungen den Morgenverkehr noch kaum beeinträchtigen. Da das Lawinenradar permanent läuft, detektiert es auch spontane, meist kleinere Lawinen im überwachten Gebiet. Dies liefert dem Sicherheitsdienst wichtige Information über die Lawinenaktivität im Gebiet und hilft zur aktuellen Einschätzung der Gefahrensituation.

 

Personenradar erkennt Skitourengeher

Die Gipfel im Anrissgebiet der Gratlawine sind beliebte Tagesziele für Skitouren und werden häufig begangen. Deshalb muss vor einer geplanten Sicherungsaktion jeweils sichergestellt werden, dass sich keine Personen im Gefahrengebiet aufhalten. Das Überwachungssystem wurde deshalb zusätzlich mit einem Personenradar ausgestattet, das Bewegungen von Personen im grossflächigen Überwachungsgebiet selbständig erkennt und verfolgt. Bewegungen von Skifahrern und Pistenfahrzeugen auf den Skipisten in der Nähe der Anlage werden nicht erfasst respektive herausgefiltert. Bei der Detektion einer sich bewegenden Person aktiviert das Personenradar zudem eine optische Kamera und eine Wärmebildkamera, die je nach Aufenthaltszeit der Person automatisch mehrere Aufnahmen des Überwachungsgebietes macht.

 Beispiel einer Visualisierung des Personenradars im online Datenportal.

Mithilfe der Aufnahmen können die detektierten Personen bei guten Sichtverhältnissen als kleine schwarze Punkte im Gelände und bei Dunkelheit mithilfe des Wärmebildes bestätigt werden. Sämtliche Bewegungen und dazugehörige Aufnahmen sind ebenfalls jederzeit über das online Datenportal einsehbar. So hat der lokale Sicherheitsdienst stets die Übersicht, ob und wo sich allfällige Personen befinden.

Lawinenradar Belalp in den Medien

Die Dokumentation “Lawinen – Schicksal oder Schuld? – Eine Langzeitbeobachtung” des Schweizer Fernsehens blickt auf den Lawinenwinter 1999 zurück und veranschaulicht, wie sich der Lawinenschutz seither entwickelt hat. Das Lawinenradar (ab Minute 47) wird dabei als der neuste Schrei im Lawinenschutz beschrieben. Kanal 9/Canal 9 berichtete etwas detaillierter über die neue Anlage auf der Belalp:

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Standort

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Kunde

Medien

SRF Dokumentation (ab Minute 47)
Canal9/Kanal9

Das sagt der Kunde

 

 

 

 

 

Peter Schwitter,
Chef Regionaler Sicherheitsdienst Aletschgebiet

“Das im Dezember 2018 neu installierte Lawinen- und Personenradar auf der Belalp hat uns bereits nach kurzer Einsatzzeit überzeugt und erleichtert unsere Arbeit enorm. Mit den Echtzeitinformationen und Bildern haben wir nun die erwünschten Daten und Infos vor, während und nach Lawinensprengungen, was uns die Entscheidungsfindung erleichtert”

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