Überwachung von Instabilitäten: HD-Kamera vs Radar

Dez 3, 2017 | Neuigkeiten

Die neuartige Deformationsanalyse von Oberflächen mittels HD-Kamera wurde letzten Sommer einem ersten Härtetest unterzogen. Die an der Weissmies-Station installierte HD-Kamera beobachtete seit Anfang Jahres 2017 die instabile Gletscherpartie des Triftgletschers, die am 10. September 2017 abbrach (News Oktober). Im Frühling 2017 wurde das bis dahin parallel messende interferometrische Georadar abgebaut und die HD-Kamera übernahm die Überwachung allein. Ende August zeigten die täglichen Deformationsanalysen eine klare Beschleunigung, worauf zur genaueren Beobachtung das Radar wieder in Betrieb genommen wurde (Video hier). Dank dem Radar war es möglich, den Abbruch der instabilen Eismassen auf 24h genau vorherzusagen. Doch auch die Prognose mittels Kamera erwies sich als erstaunlich genau. Betrachtet man den Verlauf der inversen Geschwindigkeit aus den Deformationsanalysen der Kamera, zeichnet sich bereits Ende August das Zeitfenster um Mitte September als Abbruchzeitpunkt ab.


Abbildung 1 + 2: Die inverse Geschwindigkeit des instabilen Gletschergebietes wird zur Prognose des Abbruchzeitpunktes genutzt. Der Trend der inversen Geschwindigkeit aus der Kameramessung lässt einen Zeitpunkt um den 12. September 2017 erahnen. Der Abbruch erfolgte mit dem 10. September 2017 um 6:00 nur wenig früher. 

Kamera oder Radar: Welche Technologie wofür?

Beide Technologien sind fähig, hochwertige Deformationsanalysen von Oberflächen aus grosser Distanz zu erstellen. Sie unterscheiden sich jedoch in einigen grundlegenden Punkten und eignen sich dementsprechend für unterschiedliche Anwendungen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die beiden Messmethoden:

Der wichtigste Unterschied ist die Verfügbarkeit der Daten; während die HD-Kamera Tageslicht und gute Sichtverhältnisse benötigt, kann das Radar bei Tag und Nacht und in jedem Wetter messen (Starkregen und Schneestürme können die Radarmessung kurzzeitig beeinflussen). Somit ist das Radar eine zuverlässige Option mit hoher Datenverfügbarkeit und eignet sich für die Überwachung akuter Eis- oder Felsinstabilitäten (z.B. Abbruch am Weissmies). Zudem kann die Intervall der Deformationsanalysen mit 15 min sehr kurz gewählt werden. Im Gegensatz dazu benötigt die HD-Kamera meist mindestens einen Tag, um Deformationen zu erkennen. Darum ist die HD-Kamera eine kosteneffiziente Option für die Langzeitüberwachung von nicht-akuten Instabilitäten, wie beispielsweise Gletschern oder Rutschungen.

Detaillierte Informationen:

Georadar (interferometrisches Radar)
HD-Kamera
Automatische Deformationsanalyse mit HD-Kamera